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![]() Mark Pohlmann, SinnerSchrader. Der Vorabend der Revolutionum 10:55 | Montag, 21.08.2006
| Thema: Interview
![]() Oliver Gassner: Hallo Mark. Mark Pohlmann: Hallo Oliver! Oliver Gassner: Erzählst du kurz den Leuten, die dich und eure Firma nicht kennen, kurz was über SinnerSchrader, deinen Job dort, dein Blog und was du vorher gemacht hast. Mark Pohlmann: Gerne, und danke erst mal für die Einladung zu diesem Interview. SinnerSchrader definiert sich selbst als "Interactive Dienstleister", der Unternehmen hilft, seine Wertschöpfung digital abzubilden. Etwas profaner ausgedrückt: Wir betreuen Marketing, Vertrieb, Prozessmanagement und Kommunikation im Internet. Mark Pohlmann: Ich bin seit acht Jahren bei SinnerSchrader. Seitdem betreue ich die Unternehmenskommunikation, zeitweise auch die Redaktion und seit der Renaissance internetbasierten Kommunikation betreue ich auch einige Kunden zu diesen Fragen direkt. Oliver Gassner: erzählst du noch etwas über dein Weblog? Mark Pohlmann: Mein Blog - das sind drei Blogs. Fischmarkt, Themenblog und Mediabrief. Fischmarkt ist das offizielle Blog-Organ unserer Company, das alle Aspekte von E-Commerce und Web 2.0 bearbeitet. Der Themenblog geht der Frage nach, wie man passive Kunden zu aktiven Multiplikatoren konvertiert, und der Mediabrief verfolgt die Trends des Online-Media. Maßgeblich unterstützt werde ich dabei von meinem Kollegen Martin Recke, ohne den vor allem der Fischmarkt nicht der Fischmarkt wäre. Wie du siehst - Blogs sind ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskommunikation. Oliver Gassner: Und warum drei Blogs statt einem? (Ich weiß, dass das der Falsche fragt, aber ich leide unter Blogvervielfachung ;) ) Mark Pohlmann: Unser Motto ist ganz klar: Ein Thema, das bei drei nicht auf den Bäumen ist, bekommt ein Blog verpasst. Oliver Gassner: Das ist auch meine Taktik, nur bei mir isses die Trashcan. Mark Pohlmann: Wir glauben, dass unterschiedliche Zielgruppen eigene Ansprachen erfordern. Wobei der Fischmarkt eine Verteilerfunktion hat. Hier werden auch alle "großen" Themen der Sub-Blogs angeteasert. Wer den Fischmarkt liest, bekommt also die volle Palette präsentiert. Oliver Gassner: Ist der Hamburger Fischmarkt eigentlich sauer, dass ihr die Domain habt? Oder sind die nur offline unterwegs? Mark Pohlmann: Ich glaube, die hätten die Domain schon ganz gerne gehabt. Aber einen Fischmarkt gibt es ja auch nicht nur in Hamburg. Oliver Gassner: Stimmt auch wieder. Oliver Gassner: Was hast du vor SinnerSchader gemacht? Auf welchem Weg bist du da hin gekommen? Mark Pohlmann: Ich war zuerst Journalist bei Tageszeitungen und Hörfunk, das "erste Mal" mit dem Internet hatte ich bei Ponton - einem kleinem privaten Forschungsinstitut, das sich der räumlichen Kommunikation verschrieben hatte, so mit 3D, Avataren und so. Das aber, wohlgemerkt, schon Anfang der 90er, als das Internet noch mit der Trommel um den Tannenbaum gelaufen ist. Oliver Gassner: Hach, wie vermisse ich die Grünmonitore ;) Oliver Gassner: Oder die in Blassbernstein. Mark Pohlmann: Da nahm man noch Tastentelefone zur Navigation. Das ganze dann 100 Tage live bei 3SAT während der Documenta in Kassel. Das waren noch Happenings. Mark Pohlmann: Seufz. Damals, als wir jung waren. Mark Pohlmann: Ich merke gerade: laut meiner eigenen Beschreibung bin ich von einem minderjährigen Internet verführt worden. Na, sei?s drum. Oliver Gassner: Du weißt ja: The Internet is for porn. Oliver Gassner: Wie war das als du gemerkt hast, dass das Netz 'das Ding' ist? Mark Pohlmann: Das Netz als das Ding? Das war im Studium, für die Recherche und zum Kontakt zu anderen Kommilitonen in Amiland und so. Zu dem ganzen Kommerzdings bin ich tatsächlich erst mit meinen ersten richtigen Jobs gekommen. Mark Pohlmann: Also eher die spröde Nummer. Mark Pohlmann: Von mir aus hätte es auch gar keine Blase gegeben. Dazu bin ich viel zu konservativ im Denken. Aber als sie dann da war, fand ich´s aber auch toll. Die pralle, ungeplatzte Blase natürlich nur. Eine Blase ist ja erstmal eine Blase, keine geplatzter Haufen Gummi. Oliver Gassner: Zur Blase kommen wir dann noch. Du warst ja so nett, im Themenblog ein paar Thesen für das Interview heute aufzustellen. das ist natürlich ein erstklassiger Service. Mark Pohlmann: Aber gerne doch, ist eben alte PR-Schule ;-) Mark Pohlmann: Nur zu, den Fehdehandschuh nehme ich natürlich auf - schließlich sind meine Thesen unverrückbar und in Stein gemeißelt! Oliver Gassner: Ich war jetzt so gemein mir zu jeder These eine Gegegn These aufzustellen, sozusagen als Advoctaus Diaboli. Ich kopiere jetzt immer These und gleich die Gegenthese hier in den Chat. wenn du magst sagst du 1-2 Sätze zur These und überzeugst mich dann, dass meine Gegenthese vollkommen haltlos ist. OK? Mark Pohlmann: Jo, dann mal los! Oliver Gassner: These: Web 2.0 wird erst eine Massenbewegung, wenn das Internet auf das Handy überspringt. Gegenthese: Web auf dem Handy heißt: Ich werd die Werbung gar nicht mehr los. Mark Pohlmann: Gegen-Gegenthese: Ohne Werbung geht gar nix. Einer muss ja schließlich die Rechnung bezahlen. Oliver Gassner: Solang sie unterhaltsam ist und nicht nervt. -- Aber wieso wollen die Leute immer und überall Internet haben? Ein paar geeks ok, aber doch nicht die Masse. Die machen doch das Handy aus. Mark Pohlmann: Wer macht denn heute noch sein Handy aus? Das Internet wird immer toller, je mehr ich es nutze. Weil jeder, wirklich jeder seine eigene Nische findet, und wenn es sie noch nicht gibt, schafft man sich die eben. Noch ist das Gerät, der PC, der größte Hemmfaktor. Die wenigsten Menschen lieben ihren Laptop so wie wir. Was lieben sie aber stattdessen? Ihren Fernseher und das Handy. Oliver Gassner: Ich mach ja nicht mal WAP weil das schon nervt. - Und du glaubst dass in 5 Jahren alle so geekig sind wie du und ich? Mark Pohlmann: Was das Handy angeht, werden wir von den Kids doch meilenweit abgehängt. Ich mache mir da keine Sorgen, dass die genauso gerne ihre LAN-Spiele über das Handy spielen, Chatten, Videokonferenzen machen und sich gegenseitig Hausaufgabentipps geben, sich verabreden und all das andere Zeug, was junge, hoffnungsvolle Menschen eben so den ganzen Tag tun... Oliver Gassner: Hausaufgabentipps ist gut: Hey, schick mal die Matheaufgabe... - Die Korrelation von Körperflüssigkeitsaustausch und SMS-Frequenz kann es ja aber dann auch nicht allein sein, oder? Ist es das was das Netz vorantreibt? Eine Big-Brother-Containter-Dailytalkisierung? Mark Pohlmann: Doch, ich fürchte schon. Der Mensch hat's gerne unterhaltsam. Und auf das Handy ist das perfekte Gerät für ein um mich herum gebautes Universum. Wir befinden uns auf dem Weg in eine noch stärkere Ich-Zentrierung, als wir sie jemals vorher erlebt haben. Und das Internet ist das wichtigste Handwerkszeug für dieses Ich-Universum. Oliver Gassner: Und wird es die Werbung schaffen nicht den 'Zap-Bannerblindheits'-Effekt auszulösen? Ich mein: Ich mach Werbemailings auf Papier nicht mal mehr auf und Bannerblindheit bedroht ja ganze Geschäftszweige im Netz. Mark Pohlmann: Ich persönlich glaube fest an das Ende der klassischen Werbung zugunsten eines Empfehlungsmarketings. Der Kunde ist der wichtigste Multiplikator einer Marke, eines Produktes. Und auch hier: Das Internet macht die Mechanismen sichtbar. Oliver Gassner: Da kommen wir nachher ja noch zu. Mark Pohlmann: Gut. Mark Pohlmann: Das kürzt du hier aber alles noch, oder? Sonst müssen wir doch ein buch veröffentlichen. Und das ist dann aber nicht im Sinne des Erfinders des Internets! Statt Netzstimmen ? Buchstimmen.Lesen Sie auch nächste Woche wieder wenn es heißt: 100 Seiten Pohlmann / Gassner. Die ganze Wahrheit über das Universum, das Leben und den Rest Oliver Gassner: Kürzen: nein, das ist das Internet, es ist genug Platz da solange es nicht öde wird. Oliver Gassner: These: Bei uns ist der Computer immer noch Arbeits- und kein Freizeitgerät. Nicht ohne Grund ist Deutschland E-Commerce-Weltmeister, aber Web-2.0-Anfänger. Beispiel: Trotz des ganzen Hypes um Blogs gibt es nur ein einziges mit Reichweite (Bildblog. Das ist aber gar kein Blog im Sinne eines Dialogangebotes, sondern nur zufällig ein Blog, weil Blogs eben auch ein gutes CMS sind.) Gegenthese: a) Bildblog ist nicht nur kein Blog sondern eine Bild-Les-ich-nicht-und-geil-mich-trotzdem-auf-Alibiveranstaltung. 8Die Macher mögen es ernst meinen, die Leser...) b) Viele pensionierte Informatiker lassen danach die Hände von den Dingern. warum sollte ich meine Freizeit denn am Rechner verbringen? Mir fällt nur ein Grund ein: Weil ich draußen erschossen werde? Mark Pohlmann: Oha Mark Pohlmann: zu a) wo ist da die Gegenthese? volle Übereinstimmung! Wobei ich die Arbeit von Stefan Niggemeier sehr bewundere. er ist Überzeugungstäter. aber wie das eben so ist, wenn man Erfolg hat: man kommt aus der Nummer nicht mehr raus. Das haben wir beide noch vor uns! Oliver Gassner: Ich denke dass da die Rezeption und die Produzentenintention ziemlich auseinander klafft. kein wunder hebt das Watchblog des Spiegel nicht ab... Mark Pohlmann: zu b) pensionierte Informatiker sind glücklicherweise nur eine Randerscheinung der Blogosphäre. Wie überhaupt die Geeks zwar oft zuerst da sind, aber selten echte Trends setzen. Es gibt überhaupt nur ein Grund zum Bloggen: Mark Pohlmann: weil ich was zu sagen habe und gut schreiben kann. Ok. sind zwei Gründe. aber die sollten es schon sein. Oliver Gassner: Die Pensionisten dienten mir jetzt nur als Beispiel dafür, dass wenn die Freizeit einsetzt der Computer aus ist. Mark Pohlmann: Ach so. Falsch verstanden. Oliver Gassner: Na, man kann beim Bloggen das Schreiben auch lernen. Oliver Gassner: Guck mich an. Mark Pohlmann: Du scheinst beim Bloggen nicht nur das Schreiben, sondern sogar auch das Tippen gelernt zu haben. Respekt! Oliver Gassner: Ich bin von den MUDs der frühen 90er verdorben. Und die längene Fragen paste ich natürlich rein ;) Mark Pohlmann: Streber... Oliver Gassner: was werd ich mein Markenzeichen verleugnen, das ist wie Heino in brünett ohne Brille. Oliver Gassner: So, wo waren wir? Mark Pohlmann: Beim Internet? Dem Leben? Und dem ganzen Rest? Oliver Gassner: Ja, Freizeitcomputer, Universum und der ganze Rest. Oliver Gassner: Wirst ja recht haben mit deinem Handy. Aber ich rate mal das 90% der 80% die jetzt im Netz sind das Internet a la 0.5 nutzen. Also ihre 4 Stammseiten absurfen und gut ist. Aber die Generation Handy wird uns sicher noch das Fürchten lehren. Oliver Gassner: These: Kommunikation (im Sinne von Aufmerksamkeit für eine Marke, für einen Absender) wird in Zukunft derart kleinteilig werden, dass die heutigen Major Player das Spiel unter ihren bestehenden Regeln gar nicht gewinnen können. Sony, Bertelsmann, Adidas oder BMW - sie alle leben von Reichweite. Das Ergebnis: Vielfalt. Und ein dramatischer Bedeutungsverlust großer Marken. Gegenthese: Kleine Märkte sind ja schnuckelig. Aber im Dorf wird man nicht reich, nur in der Stadt. Und richtig reich nur in der Großstadt. Knapp gesagt: Kleine Märkte sind keine Märkte. Mark Pohlmann: Jo. Web 1.0 eben. Und das Geniale daran: Sie merken noch nicht einmal etwas von der Vielfalt der Internetwelt. Das ist genau das Problem in das wir gerade alle hineinschliddern. Oliver Gassner: Yep, arme arme Menschen, müssen in der echten Welt leben. das ist wie der Slogan eines Privatsenders "AAA. Die schönste Zeit des Tages." Mark Pohlmann: Reichweite vs. Aufmerksamkeit. Oliver Gassner: Das jetzt zur neuen These? Mark Pohlmann: Keine Ahnung. Ich habe den Faden verloren. und bin verwirrt. Oliver Gassner: Es gab einen Faden? Mist. Oliver Gassner: also. ehm. Mark Pohlmann: Oliver. Swollen wir morgen noch mal von vorne anfangen? So geht das nicht. ;-) Oliver Gassner: - Normalos nutzen das Internet 1.0 oder eben sogar 0.5. Oliver Gassner: - Große Marken haben ein Problem. da waren wir. Oliver Gassner: These: Marken und Medien werden sich in Folge stärker solidarisieren, journalistische Unabhängigkeit immer seltener. "Branded Content" heißt die letzte mögliche Ausbaustufe der aktuellen Mediengesellschaft. Was dann kommt, ist ein tiefgreifender Paradigmenwechsel, der das Instant-Marketing, das wir heute kennen, hinfortspült. Und mit ihm wahrscheinlich auch seine Protagonisten. Man darf nicht vergessen, dass hinter dem Kulturkampf um Web 2.0 auch ein Kampf der Biographien steht! Empfehlungsmarketing ist das Marketing der Zukunft. Wir werden es noch erleben: Konsumenten werben für Firmen. Die Marke fällt tatsächlich in die Hände derer, die ihre Existenz überhaupt ermöglichen. Gegenthese: a) Ich hab seit 1984 als Journalist schon genug erlebt um zu wissen: auch Verlage sind Firmen. Auch früher wurde relativ genau geschaut, was einer so schreibt. b) Also schon jetzt nerven mich Bekannte, die irgendwas verkaufen. Die werd ich grad einladen. Mark Pohlmann: Ich weiß nicht, wie es dir geht - ich bekomme bei den derzeitigen Veränderungen schon prä-revolutionäre Gefühle. Der Kunde bekommt viel mehr Macht. Nicht, weil er faktisch mehr bekommt, sondern weil seine jetzt schon vorhandene Macht noch viel sichtbarer wird. Mich begeistert das immer wieder neu. Und was deine Bekannten angeht.... ... solltest du dir einfach einen neuen Freundeskreis suchen ;-) Oliver Gassner: Naja, ich hab mir das noch mal überlegt: Die, die mir was verkaufen wollten, waren eher 'Bekannte von Bekannten', oder Leuten denen man halt schwer ausweichen kann: Eltern anderer Kids im Kindergarten und so, die den Kleinen die Werbung in die Kindergartentasche stopfen. Oliver Gassner: Aber hast du mal ein Beispiel von mächtigen Kunden? Ist Jamba pleite? Oder diese Fahrradschlossfirma? Kryptonite. Mark Pohlmann: Oh, da gibt es viele Beispiele. Wie Foren. Dort sitzen mächtige Kunden, die heißblütig und oft äußerst kompetent Auskunft geben über spezielle Marken und Produkte. Über Autos, Fotoapparate oder Espresso-Maschinen. Die aktivsten User dieser Foren sind sehr meinungsmächtig und lernen in kurzen Zyklen immer neue Generationen von Kunden an. Foren sind überhaupt wahnsinnig unterschätzt. Mark Pohlmann: Zu Kryptonite: Diese ganzen Blog-Beispiele sind für mich da eher Exoten. Das sind Ausnahmen und genau deswegen so oft zitiert. Die Vernetzung der Kunden untereinander ist dagegen alltäglich und wirtschaftlich viel folgenreicher. Oliver Gassner: Und wenn man über ein Produkt die Wahrheit sagt oder einen Spammer Spammer nennt, wird man erst mal abgemahnt? - Nein, haste mal n konkretes Beispiel für die Macht der Kunden im Netz? Oliver Gassner: Oder ist das nur ne 'gepredigte' Größe? Weiß man da wirklich was? Oder nimmt man es an? Märkte sind Gespräche und so? Mark Pohlmann: Ohne Motor-Talk.de hätte ich mir keinen VW Caddy gekauft. Die Jungs in dem Forum haben mich erst mündig zu dem Produkt gemacht. Oliver Gassner: OK, ein Einzelfall. Was schätzt du wie viele Autos in Promille wegen Diskussionen in Foren gekauft werden? Mark Pohlmann: 80 Prozent aller Autokäufe finden nach einer Internetrecherche statt. Und wenn ich nach einem Modell oder Marke suche und nach "Test" oder "Erfahrungsberichte", lande ich sofort in Foren wie diesem. Ich denke mal, dass rund die Hälfte der 80 Prozent in ihrer Vorrecherche Kontakt zu solchen Foren hatte. Oliver Gassner: Hm, ok ich hab zuletzt vor 7 Jahren n Auto gekauft, da hab ich noch den Freund meiner Mutter gefragt der sich damit auskannte und -- ok, in der Familiengruppe im Usenet ;) Du hast mal wieder Recht.Aber wir werden im Blick behalten wie die Versuche diese Empfehlerei zu formalisieren weitergehen. Trnd.com und so. Oliver Gassner: These: Welche Form der Werbung bleibt den Herstellern selbst? Ihre Konsumenten und Multiplikatoren zu vermarkten. Das Ergebnis: E-Commerce wird Personenmarketing. Gegegn These: Und dann werden die Leute genauso werbungsblind wie sie heute bei Bannern und bei Werbepost sind. es fliegt ja schon 'echte' Firmenpost in den Müll, weil man denkt es sei Werbung. Mark Pohlmann: Oliver, Werbung muss doch nicht immer so platt sein wie jetzt! Mark Pohlmann: Werbung funktioniert doch dann am besten, wenn du VERTRAUEN zu dem Ratgeber hast. Wenn jemand seit zwei Jahren Caddy fährt und mir ganz genau die Vor- und Nachteile des Modells erklären kann, andere ähnliches zu erzählen berichten, fühle ich mich doch schon ein Stück weit sicherer in meiner Entscheidung. Das bringt nicht nur was, das macht auch Spaß - und hat mit Bannern rein gar nichts zu tun. Nun müssen die Unternehmen noch begreifen, wie wertvoll solche Leute für sie sind. Und schon haben wir einen epochalen Wechsel im Werbeverhalten! Oliver Gassner: Man munkelt ja, dass bezahlte PR-Schreiber sich längst in den Foren tummeln. Und bezahlte PR-Blogger under cover über Kopfschmerztabletten bloggen. Mark Pohlmann: Kann sein. Die Welt ist schlecht. Aber das war sie vorher auch schon. Ich finde solche Praktiken einfach feige. Wir alle wünschen und seine bessere Welt. Und meine Hoffnung ist, dass in der neuen, der vernetzen Welt schlechte Produkte weniger Überlebenschancen haben. Survival of the fittest, not loudest. Oliver Gassner: Na ja, wenn man es an genug Leute einmal verkauft... Aber in der Tat: Muss man dann halt schnell ne neue Marke zaubern. Ich glaub halt, dass durch Praktiken, wie oben erwähnt - und du streitest sie ja nicht ab - das Terrain verbrannt wird. D.h. dass dann das 'digitale' word of mouth eben nix mehr gilt. Mark Pohlmann: Ich glaube, dass sich bezahlte Lügner nicht gegen die Masse der Wissenden durchsetzen kann. Das ist wie in der DDR. Am Ende rechnet sich das nicht. Oliver Gassner: Womit wir beim Sozialen wären: Oliver Gassner: These: Wer heute Web 2.0 im Sinn hat, sollte sich auf zwei Zielgruppen konzentrieren: Teens und Geeks. Gegenthese: Teens wird es immer weniger geben und Senioren sind nicht geekbar. Mark Pohlmann: Tja, wenn das so ist, wird das nichts mit Web 2.0. Andere Zielgruppen sind einfach noch nicht so weit. Aber Geekness ist nicht der entscheidende Punkt. Sondern es geht um eine kulturelle Avantgarde. Und da wir uns im Technischen befinden, sind es hier nun mal auch die Geeks. Mark Pohlmann: Dass sie zahlenmäßig zu wenige für die große Revolution sind, ist klar. Aber wir stehen aber auch erst am Anfang. Oliver Gassner: Aber ist die Avantgarde ein Markt? Also einer der groß genug ist? Mark Pohlmann: Bei Studenten schon. Bei Geeks: eher nicht. Ohne dir zu nahe treten zu wollen natürlich ;-) Oliver Gassner: Oh, ich bin nur 50% geek, laut Geektest. drum kann ich das so gut, was ich mache. Ich bin ein Hybrid. ;) -- Ich überleg grade. Klar, es sind 80% online, aber an sich benutzen doch die meisten das Internet wie früher BTX. Wetter gucken. ein Gewinnspiel, Hobbythekrezepte, paar Nachrichten. Oder? Mark Pohlmann: Gewagte These! Oliver Gassner: Klang halt gut als euer Chef 80% sagte. aber was machen die Leute, weißt du das? Mark Pohlmann: Schon mal bei Alexa gesehen, wo Myspace steht? Oliver Gassner: Kennt deine Mutter Myspace? Mark Pohlmann: Muss sie das, wenn 80 Mio. Teens das kennen? Oliver Gassner: Das sind nur 10 Mio. mit Alternativaccounts. Oder 10 Mio. und 70 Mio. Weber ;) Mark Pohlmann: Es gibt eine große Leidenschaft für Online-Konversation. Und meine Mutter gehört da sicher nicht zur Avantgarde. Auch das ist klar: Man sollte sich mit denen beschäftigen, die diese Offenheit mitbringen. Die Leute, für die wetter.de der Gipfel des Internets ist, sind eben noch nicht soweit. Das ist nicht schlimm. Denn es gibt genug andere: Geeks und Twens eben. Oliver Gassner: Irgendwie scheitere ich immer noch an der Vorstellung, dass diese Märkte groß genug sind. Also relevant genug. Mark Pohlmann: Das sind sie auch nicht. Aber sie sind die Epizentren. Von dort aus zieht die Kulturrevolution ihre Kreise. Einige Zielgruppen erreicht sie früher, andere später. Oliver Gassner: Gibt es eigentlich Forschungen über den Überganz zwischen netz und 'real life'? also ist es 'Guck du mal ob das ein gutes Auto ist'? sind die Meinungsführer die Onlinekommunikatoren? Mark Pohlmann: Ich bin da ganz entspannt. aber was ich sicher nicht machen werde, ist meiner Mutter einen myspace-Account aufzuzwängen. Oliver Gassner: Das würd mich jetzt überzeugen wenn mir das einer nachweisen kann. Mark Pohlmann: Also die 80 Prozent Online-Recherche vor Autokauf ist so eine belegte Zahl aus einer Studie. Steht irgendwo auf Themenblog, das muss also stimmen! Mark Pohlmann: oder eben das Internet auf dem Handy. Vorher wird das nichts mit der Massentauglichkeit. Oliver Gassner: Na, dann hoffen wir auf billigere Flatrates ;) - Fragt sich WER da recherchiert. Meine Frau sagt immer im Vorbeigehen zu mir: schau mal nach dem Wetter... ihr Rechner ist ja nicht an. Mark Pohlmann: Gute Frau, schöne Grüße! Oliver Gassner: Mach ich. Oliver Gassner: Ich hab ne Idee: Ich guck mal nach einen Golfpodcast, vielleicht ist das was für meine Mutter. - Aber die braucht erst mal ne eigene Mailadresse und nen eigenen Laptop ;) Mark Pohlmann: Was wir erleben, ist ein Paradigmenwechsel, der immer auch davon bestimmt ist, dass Karrieren enden, scheitern, anderen aufblühen. das geht nicht über nacht. aber es bleibt unvermeidlich und die Karriere der Marketingleiter alter Gesinnung neigt sich dem ende zu. das ist eine spannende zeit, Oliver, und wir beide sind mittendrin! Oliver Gassner: Ich merks. ;) Du hattest gesagt dass die die erste Blase nicht gefallen hat, die 2. scheint dir zu schmecken. Mark Pohlmann: Für eine Blase brauchen wir erst mal Börsengänge und Geschäftsmodelle. Oder die Hoffnung darauf. Beides sehe ich noch nicht so. Oliver Gassner: Spreadshirt hat VC. Ist das der Anfang? Mark Pohlmann: Nein, das ist kein Anfang. Das nennt man eine Investition. Oliver Gassner: Kürzlich hab ich n Link auf ne Liste mit 100 deutschen Betas gepostet. Hilft denen SinnerSchrader beim Geschäfte modellieren? Oder du? Also: Kann man was machen damit man den 'Machern' beim Aufstellen von Geschäftsmodellen helfen kann? Wer ist da ihr Ansprechpartner? Mark Pohlmann: Ich kann nur davon abraten, den Plan, das zweite Myspace zu werden, als Businessmodell anzusehen. Die Revolution findet in der Kommunikationskultur, im Marketing statt. Nicht im Geschäftsmodell. - Spreadshirt verkauft übrigens bedruckte T-Shirts. Schon gewusst? Oliver Gassner: Ich hab nen Spreadshop, ja - und RIESEN Provisionsumsätze. 9 Euro in 2 Jahren ;) Mark Pohlmann: Ist jetzt auch nicht gerade die Revolution. Nur der Weg dahin, der ist spannend und neu. Mark Pohlmann: Übrigens: Lukasz musst du unbedingt interviewen. Cooler Typ. Oliver Gassner: Hab ich vor. Er hat auch schon zugesagt aber er ist wohl grad etwas busy. ;) ? Zurück zum Beispiel: Also: Ich hab ne gute Idee und zwei Programmierer. Was mach ich jetzt? Mark Pohlmann: Und was soll das Geld bringen? Oliver Gassner: Eben, wer hilft mir aus einem Produkt ein Geschäftsmodell zu machen? Mark Pohlmann: Niemand. An guten Ideen herrscht kein Mangel. Aber an der Gewissheit, Ideen zu Geld zu machen. Oliver Gassner: Na, wenn der Mangel am Entwickeln von GMs aus Ideen hängt, warum verdient dann keiner damit Geld? Mark Pohlmann: Verdient damit niemand Geld? Keine Ahnung. Oliver Gassner: Na ja ich fragte ja: Zu wem geh ich? Wer hilft mir? Ihr? Also wer hilft den 100 deutschen Web 2.0-Projekten was draus zu machen? Mark Pohlmann: Nein. Wir helfen dir, aus einer Geschäftsidee eine funktionierende Anwendung zu bauen, die seinen Markt und seine Zielgruppe findet. Oliver Gassner: Schönes Schlusswort - So long und danke für das Gespräch. Mark Pohlmann: Der beste Zeitpunkt, ins Wochenende zu gleiten. Ich danke dir, hat Spaß gemacht!! Und tschö. http://sinnerschrader.de http://themenblog.de http://fischmarkt.de KommentareNoch keine Kommentare vorhanden. Kommentieren? Dein Kommentar
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![]() Even if he hate to disappoint... Oliver Schwartz: Communicating ComBOTS [vm 18.9.2007] Björn Behrendt (hiogi.de): Mobile Antworten Dominik Matyka, youmix.de: Von der Location bis zum Musikkauf und zum Event-Ticket David und Andreas von youop.de: Fertigpizzas und ihre Verknüpfung mit dem besten Biergarten Münchens Stephanie Staar (netmoms.de): Mütter im lokal und im Netz Ossi Urchs: Über Angst und Neophilie, die Rettung der Welt und die nächsten fünf Jahre im Netz
![]() Nun ja, im Impressum der Readersedition dürften Sie da fündig werden, nicht? [oliverg] Bitte um e-mail und Tel Nr.von Dr. Maier ... [Witzeling Franz] Mich auch ;) ... [oliver gassner] Du verwechselst mich mit Oliver Samwer ;) ... [oliverg] Mich würde mal interessieren wie das mit der Vermarktung mittlerweile geklappt hat. [tatti] Yep, wie bei manchen davon. Bzw. Modelle, die erwünschtes Verhalten auf Benefitanteile abbilden. Ich... [oliver gassner] @ Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Gleb Tritus] Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Oliver G]
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